Wilde Kultur

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Babykatzen retten

Erste Hilfe für Findelkätzchen, Fütterung mit der Flasche, ein Zuhause finden

Mittlerweile ist es schon 2 3/4 Jahre her, dass wir auf dem Bauernhof, auf dem wir damals wohnen, zwei winzige Babykätzchen gefunden und von Hand aufgezogen haben. Ein 3/4 Jahr später fanden wir dann Mitten im Nirgendwo zwei noch winzigere Babykätzchen als wir gerade im Harz unterwegs waren. Und wiederum ein paar Monate später fanden wir dann die vermutlichen zwei Schwestern der ersten beiden Kätzchen wiederum auf dem selben Hof. Alle sechs Kätzchen konnten wir retten - wie, darum soll es hier gehen...

Was ist zu tun, wenn man kleine Kätzchen findet?

Wichtig vorab: wir sind weder Veterinäre noch Tierpsychologen. Für die allumfassende Richtigkeit und Sicherheit der hier genannten Tipps übernehmen wir keine Haftung. Sie sind als Zusammenfassung eigener Recherche und Erfahrungen zu verstehen. Uns geht es vor allem um die Aspekte der Erstversorgung und um das Aufziehen mit der Flasche. Ein (möglichst erfahrener - aber zumindest bemühter) Tierarzt sollte immer miteinbezogen werden. Uns ist wichtig, unser Wissen weiterzugeben, damit mehr Kätzchen geholfen werden kann. Denn wenn die Katzenmama fehlt, gibt es so einiges, das schief gehen kann. Niemals kann eine Katzenmama durch den Menschen vollwertig ersetzt werden. Und doch können wir helfen, wenn die Mama sich nun mal leider nicht kümmern kann...

Im Bild rechts: unsere zwei Kätzchen, die wir von Hand aufgezogen haben im Alter von etwa Tagen, mit etwa zwei Wochen und zuletzt einige Monate alt.

Zunächst gibt es ein paar Fragen zu beantworten:

... und zwar möglichst bevor man die Katzen anfasst. Allgemein ist es im Umgang mit Babytieren ratsam, erst einmal die Finger weg zu lassen und sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen. Es besteht immer auch die Möglichkeit, dass die Mama nicht weit weg ist.

Ausnahme: die Babys befinden sich in unmittelbarer Gefahr, zum Beispiel auf einer Straße.

Im Zweifelsfall muss das Bauchgefühl entscheiden.


Wie wahrscheinlich ist es, dass die Kätzchen allein und ohne Mama sind?

Anzeichen dafür, dass die Kätzchen länger ohne Mama sind:

  • Sie laufen / kriechen weit entfernt von einem potenziellen Nest (z.B. Schuppen, Haus,...) / ihren Geschwistern herum. Je jünger die Katzen sind, desto unwahrscheinlicher, dass sie ohne Not alleine den sicheren Ort verlassen.
  • Kleine Kätzchen schreien nicht ohne Grund - sondern aus Verzweiflung. Alles andere wäre auch viel zu gefährlich, denn kleine Katzenbabys sind durchaus interessante Beute für größere Raubtiere. Von daher ist lautes, häufiges Schreien immer als Hilfe- oder Angstruf zu deuten.
  • Durch einen Trick - den ich später erkläre, da man dazu die Kätzchen anfassen muss - kann man außerdem herausfinden, ob die Katzen dehydriert sind, also schon länger keine Milch mehr bekommen haben. Ebenfalls einschätzen lässt sich die Dauer, je nachdem wie groß der Harndrang der Kleinen ist - auch dazu später mehr.


Lässt sich ausmachen, ob sie vielleicht zu einem Haus / Hof gehören?

Wo wurden die Kätzchen gefunden? Gibt es Häuser in der Nähe? Vielleicht sogar einen Hof? Gerade auf Bauernhöfen und rundrum leben oft Katzen, die Nachwuchs bekommen - und leider gibt es nicht immer jemanden, der sich auch darum kümmert und aufpasst, dass alles gut geht.

Es lohnt sich auf jeden Fall, einmal bei den nächstgelegenen Häusern / Höfen zu klingeln und nachzufragen. Es besteht immer auch die Möglichkeit, dass die Mamakatze sich nur deshalb nicht kümmern konnte, weil sie selber irgendwo eingesperrt ist oder womöglich verletzt / krank. Vielleicht sind die Besitzer sogar schon auf der Suche nach den Babys... Wenn niemand vor Ort ist, macht es Sinn eine kurze Nachricht mit einer Kontakttelefonnummer zu hinterlassen bzw. die Info, wohin die Kätzchen gebracht wurden.

Katzen sind rechtlich gesehen Eigentum und dürfen nicht einfach mitgenommen werden. Im Gegensatz zu vielen großen Katzen sind Babykatzen auch noch nicht tätowiert oder gechipt und können deshalb auf dem Weg nicht zum Besitzer gebracht werden. Deshalb muss man sich schon sehr sicher sein, dass sie niemandem gehören.


Wie geht es den Kätzchen und wie dringend müssen sie zum Tierarzt?

Am besten sollten gefundene Kätzchen sofort zum Tierarzt. Allein schon, weil sie - vor allem je älter sie sind - meist von Flöhen und anderen Parasiten befallen sind und - besonders wenn sie länger schon allein sind - auch oft krank.

Unbedingt aufpassen sollte man, wenn man selber Katzen und andere Haustiere hat - einen Schnupfen will man nicht ins Haus bringen. Und aus Erfahrung kann ich sagen, dass man Flöhe leider oft auch erst mit viel Mühe und nach einigen Tagen wieder los wird... und die interessieren sich übrigens - jedenfalls wenn es viele sind oder grade keine Katzen da - auch für Menschen!

Jedoch ist ein sofortiger Tierarztbesuch nicht immer möglich. Dann sollten die Tiere in einem separaten, möglichst leicht zu reinigenden Raum untergebracht werden, etwa im Bad.

Auf jeden Fall muss auf Sicherheit geachtet werden. Besonders wenn die Kleinen schon krabbeln / laufen, können sie sich leicht verletzen. Wirkt ein Kätzchen sehr schwach oder zeigt sonstige Krankheitsmerkmale (z.B. Schnupfen), sollte ein Tierarztbesuch sofort gemacht werden.


Wie alt sind die Kätzchen?

Vom Alter der Kätzchen hängt so manches ab. Einen guten Anhaltspunkt zum Abschätzen des Alters gibt es auf der Seite von Kleine Tierpension (hier geht's zur Altersbestimmung).

1) Entfernung vom Nest / der Mama / den Geschwistern

Ältere Kätzchen können durchaus auch mal etwas abseits des Nests unterwegs sein. Jedoch dauert es im Normalfall lange bis die Katzen sich ohne Mama ganz allein in die Welt trauen. Eventuell ist aber die Mama von etwas älteren Kätzchen auch ganz in der Nähe und hält sich nur versteckt.

Deshalb sollten Kätzchen je älter sie sind auch länger beobachtet werden. Es gilt immer, sie möglichst bei ihrer Mama zu lassen. Eine Trennung sollte man unbedingt vermeiden, da diese Stress für Klein und Groß und außerdem die schlechtere Versorgung der Jungtiere bedeutet. Ist diese offensichtlich eine Streunerin, können alle gemeinsam versorgt werden, indem die Mamakatze gefüttert, vielleicht sogar angefüttert wird - jedoch werden wenige Streuner wirklich zutraulich. Ganz wichtig ist bei Streunerinnen, dass auch eine Sterilisation gemacht wird - sonst gibt es wieder und wieder Junge, manchmal sogar mehrere Würfe pro Jahr, die nicht vernünftig versorgt werden können. Tierheime und Tierschutzvereine unterstützen bei der Versorgung und Sterilisation.


2) Versorgung der Kätzchen

Ganz kleine, noch wenig mobile Kätzchen sind erst mal leichter zu erreichen, da sie noch nicht weg laufen können. Ältere Kätzchen, die schon laufen oder gar rennen, muss man erst mal anlocken - mit Spezialmilch und / oder Nassfutter. Dabei sollte man definitiv feste Handschuhe tragen, denn die kleinen Katzenzähnchen können ordentliche Wunden verursachen (mir ist das schon ein Mal so passiert). Wird man doch gebissen, sollte man möglichst bald mit Antibiotika behandeln - Katzenbisse sind nicht zu unterschätzen! (und nicht zu verwechseln mit harmlose(re)n Kratzern).

Vom Alter hängt auch ab, wie und damit wie leicht die Kätzchen zu versorgen sind - und dadurch auch, ob man sich dies selbst zutraut oder besser die Aufgabe an einen Profi abgibt. Kleine Kätzchen müssen im 2 - 3 Stunden-Takt mit spezieller Milch gefüttert werden. Sie können noch nicht eigenständig verdauen, urinieren, koten und müssen deshalb nach jeder Fütterung entsprechend massiert werden. Sind die Kätzchen schon etwas älter, kann man es mit zerdrücktem, mit etwas Wasser oder spezieller Katzenmilch verrührtem Nassfutter versuchen, um herauszufinden, welche Art der Versorgung richtig ist.


Beispiele: warum haben wir eingegriffen?

Innerhalb von anderthalb Jahren haben wir ganze drei Mal kleine Kätzchen gefunden - jedes Mal haben wir eingegriffen. Warum?

Nummer 1) Mowgli und Bagheera

Gefunden in einem Versteck im Heu- und Strohlager auf dem Bauernhof, auf dem wir damals wohnten. Die zwei sind seitdem Teil unserer kleinen Familie.

  • Die Kätzchen waren sehr jung, gerade einmal ca. 10 Tage alt, konnten kaum laufen und dennoch hatte sich eines davon schreiend auf den Weg gemacht, Hilfe zu suchen.
  • Direkt neben dem Versteck der Kätzchen unterhalb eines Heu- und Strohlagers über unserer damaligen Wohnung, gab es eine Lücke in einer Bretterwand. Trotz unserer Absicherung fiel eines der Kätzchen auf der weiteren Suche nach der Mutter hindurch und drei Meter tief auf den Betonboden des darunterliegenden Kuhstalls. Daraufhin setzten wir die Kätzchen in einen Pappkarton direkt neben das Versteck, dessen Wände zwar zu hoch für die Kleinen, aber für die Mamakatze gut zu überwinden gewesen wären. Und warteten weiter.
  • Wir warteten 24 Stunden ab, aber es gab kein Zeichen, dass die Mutterkatze bei den Kätzchen gewesen wäre. Sie hatte sie weder aus dem Pappkarton geholt - was zu erwarten gewesen wäre - noch hatte sie das Futter angerührt, das wir daneben gestellt hatten. Die Kätzchen jedoch schrien weiter herzerweichend und erfolglos.
  • Wir sind uns ziemlich sicher, dass wir die Mutterkatze immer wieder um den Hof herum gesehen haben - sie war extrem scheu und wir rechneten nicht damit, dass sie sich nochmal zu ihren Kindern trauen würde.
  • In dieser Gegend gibt es viele streunende, halb wilde Katzen. Selbst wenn die Mutter sie aufgezogen hätte, wäre es später wichtig gewesen, dass alle versorgt und sterilisiert würden - auch wenn das ein krasser Eingriff ist. Leider vermehren sich Katzen sehr schnell und führen halbwild oft kein wahnsinnig angenehmes Leben.


Nummer 2) zwei Kätzchen im Harz

Gefunden am Tag unserer Heimreise aus dem Harzurlaub - 7, 8 Stunden entfernt von Zuhause. An einem Feiertag, an dem auch die umliegenden Tierheime geschlossen waren. Später glücklicherweise abgegeben in erfahrene Hände vor Ort.

  • Die zwei Kätzchen, die wir auf einer Reise in den Harz fanden (und die Mowgli und Bagheera erstaunlich ähnlich sahen) waren sogar noch etwas jünger als unsere ersten - und trotzdem fanden wir sie mitten im Nirgendwo, weit entfernt von einem Haus oder einer Scheune. Das eine Kätzchen sahen wir am Vorbei fahren in einem Waldstück und hielten es erst für einen kleinen Maulwurf. Das zweite fand ich auf dem Weg vom Auto, das wir am Straßenrand geparkt hatten, hin zu Kätzchen Nummer 1 in Mitten eines Maisfeldes. Die beiden waren viele Meter voneinander entfernt, aber vom Alter her sehr sehr wahrscheinlich Geschwister. Mindestens eines, vielleicht aber beide hatten trotz ihres geringen Alters eine große Strecke zurück gelegt und beide miauten um Hilfe.
  • Wir mussten in diesem Fall auf jeden Fall eingreifen, weil eines schon auf der Straße war - wir konnten gerade so ausweichen - und das andere auf dem Weg dahin.
  • Zu diesem Zeitpunkt kannten wir uns schon etwas aus und da wir die Kätzchen sowieso anfassen mussten, konnten wir sie genauer untersuchen. Sie waren sichtlich dehydriert - ein weiteres Zeichen dafür, dass die Mutter schon lange nicht mehr bei ihnen gewesen sein konnte. Wir improvisierten aus einer Tüte eine Möglichkeit den beiden wenigstens etwas Wasser zu geben. Nach viel Drama - zu viel für diesen Artikel - konnten wir sie schließlich (trotz Feiertag und vielen Menschen, die sich nicht zuständig fühlten) mit Hilfe eines Herrn vom Ordnungsamt in einem Tierheim erstversorgen (Füttern und Massieren, um die Verdauung anzuregen) und schließlich ebenfalls durch ihn an jemanden mit Erfahrung übergeben.


Nummer 3) die zwei Geschwister

Genau wie die ersten gefunden auf dem Schwarzwaldhof, diesmal jedoch nicht in einem Versteck sondern rund um den Hof draußen unterwegs und insbesondere unter unserem Auto sitzend.

  • In diesem Fall waren die Kätzchen schon so alt, dass sie einigermaßen gut laufen konnten. Dennoch war es ungewöhnlich, dass sie alleine und laut schreiend unterwegs waren.
  • Wir stellten ihnen Futter an eine geschützte Stelle und konnten beobachten, wie sie dieses sehr, sehr hungrig verschlangen.
  • Es war anzunehmen, dass es sich auch bei ihnen um Kinder der extrem scheuen Katze handelte, die man manchmal um den Hof herum sah.
  • Wir beobachteten und fütterten die Kätzchen über 2 oder 3 Tage hinweg, ich meine es waren zwei Nächte, es könnte aber auch eine gewesen sein, die mir nur vorkam wie zwei. ;-) Zum Glück waren sie nicht in akuter Gefahr, da der Hof recht ruhig liegt, denn wir hätten sie so einfach auch nicht einfangen können, da sie uns zwar recht nah ran ließen, trotzdem aber immer rechtzeitig wieder abdüsten.
  • In diesem Fall hätte es für die Mutterkatze - jedenfalls in der Nacht! - ein leichtes sein müssen, ihre Kätzchen abzuholen, da sie frei draußen unterwegs waren und laut riefen. Doch es passierte nichts. Schließlich konnten wir die Kätzchen mit Futter in unsere Transportboxen locken und zum Tierarzt beziehungsweise schlussendlich ins Tierheim bringen.

In diesem Fall entschieden wir uns schweren Herzens dagegen, sie bei uns aufzuziehen. Warum? Darauf gehe ich weiter unten noch ein. Denn wer bereits eigene Katzen hat, sollte sich diesen Schritt besonders gut überlegen...


Erstversorgung

Sind die Kätzchen verletzt oder krank?

Wenn ja: ab zum Tierarzt und zwar schnell!

Wenn das nicht möglich ist: vorsichtig versuchen, offene Wunden mit sterilem Verband abzudecken. Das kann sich bei kleinen Kätzchen aus verschiedenen Gründen schwierig gestalten. Auf keinen Fall darf das Kätzchen dadurch gefährdet werden, z.B. weil es sich verheddern, strangulieren oder daran ersticken könnte. Niemals Salben oder ähnliches auftragen - diese müssen später zur Behandlung beim Tierarzt wieder abgekratzt werden! Auf jeden Fall muss die Behandlung beim Tierarzt dann schnellstmöglich passieren.


Kätzchen warm halten

Bis sie zum Tierarzt gebracht werden können, sollten Kätzchen warm (nicht zu warm!) gehalten werden. Z.B. mit einer Wärmflasche. Ich habe dafür anfangs simple Plastikflaschen genommen und mit - für mich als Mensch - angenehm warmem Wasser gefüllt, irgendwo zwischen Körper- und Duschwassertemperatur. Die Flaschen habe ich mit Stoff umwickelt oder in Waschlappen gesteckt. Auf keinen Fall sollten sie so sein, dass sich die Kätzchen verbrühen. Am besten stellt man sich nach Möglichkeit die wohlige Wärme im Nest zwischen Katzenmama und Geschwistern als Maßstab vor... Was für uns Menschen angenehm warm ist, kommt auch für Kätzchen in etwa hin.

Im Bild unten links zu sehen: unsere zwei Babykätzchen in einer hohen, oben offenen Kunststoffbox in der Mitte zusammengekuschelt. Unter dem Handtuch - ganz unten und links von den Kätzchen - befinden sich improvisierte Wärmflaschen: Plastikflaschen mit angenehm warmem Wasser. Das schwarze Kätzchen lag oft sogar auf der Wärmflasche, wie man hier auch sieht.

Im Bild unten rechts: eines unserer Kätzchen angekuschelt an die improvisierte Wärmflasche links unter dem Handtuch.

         


Außerdem müssen Kätzchen unbedingt aufgewärmt werden, bevor man sie mit Nahrung versorgt. Wärme geht immer vor Nahrung! Ein Auszug dazu von der Webseite der Kleinen Tierpension:

Solange sich ein Katzenbaby kalt anfühlt und dadurch eindeutig unterkühlt ist darf es keinerlei Nahrung erhalten !!

Es wird sich verschlucken, da der Schluckreflex während einer Unterkühlung außer Kraft gesetzt ist. Sie können vorsichtig versuchen dem Baby ein wenig Traubenzucker, also Energie zuzuführen. Lösen Sie dafür ein klein wenig Traubenzucker in Wasser oder Tee auf und versuchen Sie dem Baby ein oder zwei Tropfen auf die Zunge zu träufeln. Notfalls alle halbe Stunde wiederholen.

ACHTUNG: Das Baby darf sich nicht verschlucken!!! Wenn es nicht einmal mehr vor lauter Entkräftung oder Kälte schlucken kann, wärmen Sie es erst weiter auf und versuchen Sie es später noch einmal. Erst mindestens ein bis zwei Stunden das Baby aufs Warme legen und warten. Wenn sie richtig warm sind schlafen sie meist und machen einen zufriedenen Eindruck. Nun zeigt das Baby meist auch einen Schluckreflex, wenn man ihm einen Tropfen Milch, Traubenzuckerlösung oder Tee ins Mäulchen gibt.


Absolute Ruhe

Während schon ausgewachsene Katzen viel Schlaf und Ruhe brauchen, ist es für kleine Kätzchen überlebenswichtig. In den ersten Wochen passiert naturgemäß außer Trinken, Verdauen, Kuscheln und Schlafen nicht viel und so soll es auch sein. Bekommen kleine Kätzchen nicht genügend Gelegenheit zum Schlafen, können sie an Erschöpfung sterben! Auch wenn sie noch so süß sind, abgesehen vom Kuscheln nach dem Füttern heißt es: Finger weg und in Ruhe lassen!


Sind die Kätzchen dehydriert?

Eine weitere große Gefahr für kleine Kätzchen ist die Dehydrierung. Normalerweise werden Babykatzen alle paar Stunden gesäugt. Zwischendrin wird geschlafen. Ob ein Kätzchen oder eine Katze dehydriert ist, lässt sich einfach feststellen, in dem man mit einer Hand z.B. am Nacken der Katze die Haut etwas nach oben zieht. Je länger es dauert, bis die Haut wieder in die normale Position geht (im Normalfall passiert das sofort), also je länger die Hautfalte sichtbar stehen bleibt, desto stärker ausgetrocknet ist die Katze. Mit der Dehydrierung kommt oft auch Verstopfung - und auch die kann lebensgefährlich für kleine Katzen sein.


Improvisierte Fütterung

Ganz kleine Kätzchen

Optimalerweise sollten kleine Kätzchen mit Spezialmilch (nienieniemals normale Milch!) aus einer geeigneten Flasche gefüttert werden (siehe weiter unten). Ist das nicht möglich - weil noch kein Milchpulver und / oder keine Flasche zur Verfügung steht - gibt es eine Möglichkeit zu improvisieren.

Sind die Kätzchen bereits stark dehydriert und kann nicht sofort ein Tierarzt aufgesucht werden, ist es möglich, ihnen mit Hilfe einer kleinen (unbedingt lebensmitteltauglichen) Plastiktüte, einem Gummihandschuh oder ähnlichem (es sollte auf jeden Fall eine Ecke / einen Zipfel haben) etwas Wasser (nieniniemals normale Milch!) zu geben, um wenigstens die Austrocknung ein wenig zu lindern. Dazu ein winziges Loch in den Zipfel der Tüte oder einen Finger des Handschuhs schneiden / stechen, etwas lauwarmes Wasser einfüllen und dann dem Kätzchen sanft anbieten. Das haben wir gemacht, als wir im Harz zwei winzige Kätzchen am Straßenrand gefunden haben und erst (da Feiertag war und sich die ersten, die wir kontaktierten, nicht zuständig fühlten oder nicht kümmern wollten) mehrere Stunden nach jemandem suchen mussten, der sich kümmerte.

Macht es keine Anstalten zu trinken (es dauert evtl. eine Weile, bis das Kätzchen erkennt, dass es hier etwas zu Trinken gibt), vorsichtig den Mund mit etwas Wasser benetzen. Bloß nicht drängen, zwingen, denn womöglich ist das Kätzchen noch zu schwach zum Trinken und könnte daran ersticken. In so einem Fall muss das Kätzchen erst langsam und mit viel Geduld, mit Spezialmilch und Unterstützung des Tierarztes aufgepeppelt werden! Auf gar keinen Fall ein schwaches und / oder ausgekühltes Kätzchen zum Trinken / Essen drängen.

Nienieniemals darf normale Milch gegeben werden. Die allermeisten Katzen vertragen diese nicht und reagieren mit Durchfall und Magen-Darm-Problemen - für ein kleines, schwaches Kätzchen womöglich das Todesurteil!


Etwas ältere Kätzchen

Sind die Kätzchen schon etwas älter - ungefähr in dem Alter, in dem sie schon sicher laufen und rennen -, kann man es auch mit einer Schale Wasser oder mit mit Wasser verrührtem Nassfutter oder Thunfisch versuchen. Auch hier gilt: auf keinen Fall normale Milch geben. Wirklich nicht! Auch nicht ein bisschen. Katzen trinken gerne Wasser. Und mit Milch wird mehr Schaden angerichtet als Nutzen. Spezialmilch für Katzen ist natürlich erlaubt.


Kleine Kätzchen mit der Flasche aufziehen

Sich auf das Aufziehen eines jungen Kätzchens mit der Flasche einzulassen, muss gut überlegt sein, denn es bedeutet große Verantwortung und kaum Schlaf über mehrere Wochen!

Für alle, die diese Entscheidung treffen, habe ich im Folgenden meine Tipps und Erkenntnisse aufgeschrieben. Wir haben das bei den ersten beiden Kätzchen gemacht, die wir gefunden haben - zwei Jungs im Alter von etwa 10 Tagen, damals nur wenige hundert Gramm schwer. Beide haben es gerade so geschafft - der eine wegen einer Infektion, der andere wegen anfangs immer wieder auftretender Verstopfung. Ich weiß nicht, ob ich jemals so um etwas gekämpft habe, wie um die Leben dieser beiden Kätzchen - Tränen sind jedenfalls viele geflossen - und obwohl wir erst gar nicht vor hatten, sie zu behalten, sind sie jetzt schon bald zwei Jahre bei uns und haben sich mit unseren beiden älteren Katern gut angefreundet.

Eine gute Ergänzung zu meinen Infos bietet die Seite der Kleinen Tierpension (hier geht's zu den Infos zur Aufzucht ), ohne deren Hilfe ich es womöglich nicht geschafft hätte, unsere Katerchen großzuziehen.


Aufgaben als Zieheltern

  • Warm halten

    Anfangs können Kätzchen ihre Temperatur nicht alleine regulieren. Deshalb muss mit einer Wärmflasche nachgeholfen und das ganze regelmäßig überprüft werden.


    • Füttern

    Anfangs alle 2, später alle 3 Stunden - später weniger, bei besonders schwachen Kätzchen kann es nötig sein, anfangs jede Stunde zu füttern!


    • Massieren

    Kleine Kätzchen können nicht alleine verdauen / ausscheiden. Erst durch die Massage setzen sie Kot und Urin ab. Eine länger andauernde Verstopfung ist für kleine Kätzchen lebensbedrohlich.


    • Kuscheln

    Wichtig für Wohlbefinden und Sozialisierung.


    Was braucht man alles, um ein Babykätzchen mit der Flasche aufzuziehen?

    • Spezialmilch (hatte ich erwähnt, dass NIEmals andere Tiermilch gegeben werden darf?)
    • Flasche mit Sauger in geeigneter Größe
    • viel Toilettenpapier / Küchenrolle
    • Wärmflasche oder Heizdecke
    • Handtücher

    Die ausgefalleneren dieser Dinge gibt es im Zoofachhandel, besser noch ist es, sich vorher vom Tierarzt zeigen zu lassen, wie es geht - insbesondere auch die Massage.


    Wie füttert man ein Babykätzchen richtig?

    • Auf keinen Fall dürfen Babykatzen auf den Rücken gelegt werden wie ein menschliches Baby - sie könnten sich verschlucken und ersticken. Sie können beim Füttern auf dem Bauch liegen oder, wenn sie das schon können, stehen.
    • Kleine Kätzchen müssen anfangs alle zwei, später alle drei Stunden zum Essen geweckt werden - sie wachen nicht alleine aus Hunger auf! Hier gibt es die konkreten Zeiträume je Alter zu finden.
    • Niemals sollte man Kätzchen zum Essen / Trinken drängen oder zwingen. Wenn sie von alleine nicht essen, stimmt etwas nicht - das ist ein Fall für den Tierarzt!
    • Auf die Mengen achten und die Kätzchen regelmäßig wiegen. Wenn sie nicht genug Futter aufnehmen, das Gewicht gleich bleibt oder sogar abnimmt, eventuell Extrafütterungen einlegen. Dabei jedoch darauf achten, dass die Kätzchen trotzdem noch viel und vor allem ungestörten Schlaf bekommen.
    • Wenn sich das Kätzchen schwer damit tut, die richtige Stelle zum Trinken zu finden oder kein Interesse zeigt, vorsichtig etwas Milch herausdrücken und dem Kätzchen direkt am Mund anbieten - aber Achtung: die Kleinen können sich dabei verschlucken, unbedingt nur kleinste Mengen und ganz vorsichtig anbieten.
    • Die Umgebung und auch man selbst sollte ruhig sein.

    Die folgenden Bilder zeigen die Fütterung unserer beiden Babykätzchen. Manche Bilder sehen etwas grob aus - dabei ist wichtig zu wissen, dass die Kätzchen von sich aus sich eher übermütig und hungrig auf die Milch in der Flasche gestürzt haben. In keinem Fall wurde den Kätzchen die Flasche zwangsweise in den Mund geschoben oder wurden die Kätzchen sonst wie zum Trinken gezwungen. Das Festhalten diente vor allem dazu, den Kätzchen in ihrem Übermut dabei zu helfen, den Nippel zu finden und in Ruhe zu trinken.

             



    Je älter die Kätzchen werden, desto weniger Unterstützung brauchen sie beim Trinken:




    Bauchmassage für die Verdauung

    Da wir bisher erst ein Mal junge Katzen mit der Flasche aufgezogen haben und dabei praktisch immer elendig müde waren, gibt es hiervon keine Fotos. Einige Bilder und eine detaillierte Anleitung zur Massage - inklusive Bilder davon, wie der Kot aussehen sollte - gibt es auf den Seiten der Kleinen Tierpension - hier.

    • Das wichtigste ist, dass überhaupt massiert wird. Und zwar mindestens nach jeder Mahlzeit. Bei unserem verstopften Katerchen, habe ich damals im Grunde bei jeder sich bietenden Gelegenheit massiert, um die Verdauung irgendwie in Gang zu bekommen - was nach einer sich nach einer Ewigkeit anfühlenden Zeit dann auch geklappt hat.


    Sauber halten

    Kleine Kätzchen müssen unbedingt sauber gehalten werden, nicht nur fürs Wohlbefinden, auch um Infektionen zu vermeiden.

    Unsere Kätzchen waren anfangs meist entweder verstopft oder hatten Durchfall. Das hat neben langen Massagen auch zu häufig verdreckten Popos geführt. Wir haben unsere Kätzchen dann vorsichtig mit lauwarmem Wasser gereinigt, gut abgetrocknet und im Anschluss noch einige Zeit auf dem eigenen Körper gewärmt.


    Gut beobachten

    Eines unserer Aufzuchtkätzchen wäre beinahe an einem Infekt gestorben. Was ich anfangs noch im Vergleich zu seinem Bruder als "Pflegeleichtigkeit" interpretiert habe, war tatsächlich eine Erkrankung, die den Kleinen so stark geschwächt hat, dass er sich kaum mehr gerührt und dann auch fast nichts mehr zu sich genommen hatte.

    Kleine Kätzchen sollten stetig zunehmen. Eine Gewichtsabnahme oder auch nur ein Gleichbleiben des Gewichts sind absolute Warnzeichen! Unser kleines Katerchen wurde schließlich intensiv medizinisch versorgt, anschließend habe ich ihn tröpfchenweise STÜNDLICH gefüttert - da ihn jede Fütterung so anstrengte, dass er gleich wieder einschlief, bekam er so immerhin doppelt so viel als wenn ich ihn nur zweistündlich gefüttert hätte. Tropfen für Tropfen nahm er an Gewicht zu und hat sich schließlich glücklicherweise dann auch recht bald wieder erholt.

    In jedem Fall müssen die kleinen Katzen gut beobachtet und regelmäßig gewogen werden, um eventuell lebensbedrohliche Veränderungen schnellstmöglich zu bemerken und zu behandeln.


    Ein Zuhause für die Kätzchen finden - kleine Kätzchen ins Tierheim bringen

    Zwei unserer sechs Findelkätzchen haben wir selbst aufgezogen, vier brachten wir ins Tierheim. Bei den zweiten beiden stand das ganz außer Frage, da wir Mitten im Harz, 8 Stunden weg von zuhause, unterwegs waren und es einfach keinen Sinn gemacht hätte, die beiden mitzunehmen.

    Bei den letzten beiden war die Entscheidung schon etwas schwieriger, da die zwei am selben Hof wie unsere ersten aufgetaucht sind und außerdem höchstwahrscheinlich die Geschwister unserer Kätzchen waren.

    Nun waren einige, denen wir davon erzählt haben, dass wir Kätzchen ins Tierheim gebracht haben, ganz betroffen darüber - erst da wurde mir klar, dass es hierzu etwas Aufklärungsbedarf gibt. Denn Tierheim wird doch oft gleichgesetzt mit etwas üblem, herzlosen - ein Ort, an den eigentlich kein Tier kommen sollte. Für kleine Babykatzen in dieser Situation sieht die Sache aber anders aus, deshalb...


    Unsere Gründe dafür, die Kätzchen ins Tierheim zu bringen:

    • Im Tierheim kümmern sich Profis und erfahrene Freiwillige um das Wohlergehen der kleinen Kätzchen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es keine Kleinigkeit ist, winzige Katzenbabys am Leben zu halten. Man kann sehr viel falsch machen, muss enorm viel recherchieren, die Arbeit geht nie aus, man bekommt kaum Schlaf - und muss dennoch mit der ganzen Aufmerksamkeit bei den Winzlingen sein. Nicht zuletzt ist die psychische Herausforderung so eine enorme Verantwortung zu tragen, nicht zu unterschätzen!
    • Junge Katzen werden schnell vermittelt. Das Bild vom grauenhaften Ort Tierheim kommt sicherlich daher, dass dort - leider! - viel zu viele erwachsene, teils schon sehr alte Tiere ein neues Zuhause suchen. Hier ist die Vermittlung oft nicht leicht und die Tiere bleiben viel zu lange im Heim. Anders sieht das bei jungen Katzen aus. Mir wurde mehrfach von Tierheimen bestätigt, dass hier die Vermittlung sehr unproblematisch ist. Die jungen Kätzchen kommen erst mal eine bestimmte Zeit in Quarantäne. Danach kommt es darauf an, ob sie schon alt genug sind, um mit weniger intensiver Pflege auszukommen - ist das der Fall, werden sie an ein neues Zuhause vermittelt.
    • Tierheime sind erfahrene Vermittler. Sie wissen, worauf zu achten ist und können den neuen Besitzern die richtigen Tipps für das Zusammenleben geben.
    • Die Gefahr der Ansteckung von anderen Kater mit Krankheiten oder Parasiten, ist groß. Je älter die Kätzchen sind, die man findet, desto unausweichlicher, dass sie in irgendeiner Form krank oder von Parasiten befallen sind. Diese Kätzchen müssen erst mal in Quarantäne (das wird auch im Tierheim so gemacht) und das wäre in unserer winzigen Wohnung überhaupt nicht machbar gewesen. Beim ersten Mal hatten wir das überhaupt nicht beachtet, so überrumpelt waren wir von der Situation - und mussten dann die komplette erste Zeit extrem vorsichtig sein, dass sich unsere großen Kater nicht anstecken, inklusive Kleidungswechsel zum Füttern und Versorgen sowie SEHR viel Desinfektionsmittel.
    • Es hätte mir das Herz gebrochen, sie später wieder herzugeben. Das mag ein ziemlich egoistischer Grund sein, aber leider auch ein realer. Menschen binden sich unterschiedlich stark an solche kleinen Wesen und ich weiß von mir, dass die Bindung sehr intensiv und mütterlich ist. Auch für unsere zwei stand lange nicht fest, ob wir sie behalten oder vermitteln - aber spätestens nachdem ich so sehr um ihre kleinen Leben gekämpft hatte, hätte ich sie niemals mehr jemand anderem in die Hände geben können.


    Was es zu beachten gibt, wenn man kleine Kätzchen ins Tierheim bringt:

    • Wilde Katzen werden nicht angenommen, die Jungen von Streunern jedoch schon - jedenfalls wurde mir das so gesagt. Was nun genau für ein Kätzchen gilt, weiß man wohl in den wenigsten Fällen. Deshalb beim Hinbringen auf die Begrifflichkeiten achten.
    • Sind die Katzen nicht zähmbar, müssen sie wieder abgeholt und freigelassen werden. Immerhin sind sie dann aber erst mal versorgt und können kastriert / sterilisiert werden, damit sich die wilde Population nicht noch vergrößert.


    Mehr Infos zum Thema

    Ganz deutlich hervorheben möchte ich nochmals die Seiten der KleinenTierpension. Hier habe ich die meisten und nützlichsten Infos zum Thema gefunden. Vor allem was Altersbestimmung, Fütterung und konkrete Bedürfnisse je nach Alter angeht.

    Dem, der sich entschließt trotz aller Herausforderungen junge Kätzchen mit der Flasche aufzuziehen, empfehle ich dringend sich die Tipps durchzulesen. Die Betreiberin der Seite hat viele Jahre Erfahrung in der Aufzucht von Katzen und kann dadurch deutlich weiter in die Tiefe gehen, als ich es hier kann. Meine Tipps sind ausdrücklich als Erfahrungs-Ergänzung zu dieser Seite zu verstehen.

    Natürlich gibt es weitere Seiten, die sich mit der Aufzucht beschäftigen, aber weit nicht alle haben auch wirklich Erfahrung! Das Internet ist voll von Seiten, die solche Dinge schlicht irgendwo abschreiben. Mein Rat ist, diese Tipps entweder zu ignorieren oder nur mit sehr viel Vorsicht zu betrachten.

    Ein gelungenes Aufziehen sollte mit einer Kombination aus den Infos auf der Seite der Kleinen Tierpension, meinen Erfahrungen hier sowie der Unterstützung durch einen idealerweise erfahrenen, aber zumindest bemühten Tierarztes möglich sein.

    Gerne beantworte ich Fragen auch per Nachricht an nadine [ät] wildekultur.net und versuche das nach Möglichkeit auch zügig zu tun, kann es aber natürlich nicht garantieren.

    Bitte im Zweifelsfall IMMER einen Tierarzt oder im Tierheim oder bei einem Tierrettungs-Verein um Rat fragen.


    Zum Schluss

    ... wünsche ich den Kleinen und den Findern alles Gute, viel Durchhaltevermögen und dass die schönen Momente auch genossen werden können.

    19.04.2020
    Nadine