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Er ist weg

Vom mysteriösen Verschwinden unseres Topinamburs

Einer meiner allerersten Texte über den Garten handelte von ihm*. Jetzt ist er weg und wir fragen uns: warum? Also, ganz im Ernst: WARUM? Was zur Hölle ist passiert? Warum sind da nur noch klägliche Überreste, wo eigentlich knackige Knollen sein sollten? Ist unser Topinambur vergammelt, weil es die letzten Monate so nass war? Wurde er aufgefuttert von dem, der auch unsere Petersilie und die Möhren auf dem Gewissen hat? Oder eine Mischung aus beidem???

Aber von vorne... es war ein trüber Tag, an dem wir uns kennen lernten. Ich war zu einem Pflanzentausch eingeladen und man traf sich in einem großen Garten in einem Städtchen in Bodenseenähe. Ich hatte nix zu tauschen dabei und auch sonst fühlte ich mich ein wenig deplatziert.

Als es schon gegen Ende ging, führte die Gastegeberin uns durch ihren Garten und erzählte von den Pflanzen, die sie anbaute. Eine davon weckte mein besonderes Interesse, denn es klang verlockend, was die Frau zu berichten hatte: eine Knolle, die winterhart ist, die man roh und gekocht essen kann und die man praktisch nicht neu anpflanzen muss sondern die einfach nachwächst... Meine Augen wurden immer größer. Sie bot mir ein paar ihrer Topinambur-Knollen an. Und um es abzukürzen: ja, es war Liebe.

Der erste Winter

Zurück daheim bestellte ich mir online noch ein paar Knollen extra und schließlich landeten alle davon in einem neuen Beet im Garten. Die Pflanzen - die aussahen wie Sonnenblumen, nur kleiner - wurden riesig und mussten gestützt werden. Aber ansonsten war nichts anderes zu tun als zu warten. Als ich im darauffolgenden Winter erntete, wuchs meine Begeisterung nur noch, denn der Ertrag war erstaunlich groß. Wir kamen - trotz kleiner Anbaufläche - mit dem Essen gar nicht hinterher und so verschenkten wir einiges davon.

Der zweite Winter

Im Jahr darauf versetzten wir die Knollen an einen anderen, etwas besser geeigneten Platz und auch im Winter danach war die Ernte üppig. Es zeigten sich bereits erste Zuchterfolge, denn ich hatte beim Ernten jeweils die schönste, rundeste Knolle wieder fürs nächste Jahr eingepflanzt.

Der dritte Winter

Wir zogen um, die Knollen kamen mit. Jetzt bekamen sie richtig viel Platz. Und es zeigte sich, dass wir sie auch nicht mehr stützen mussten, weil sie sich - vielleicht durch das Mehr an Platz oder das Mehr an Licht - nun gut selber aufrecht halten konnten. Der nächste Winter rückte näher, die Spannung wuchs: hatten die Knollen den Umzug gut überstanden? Würden sie jetzt noch prächtiger wachsen, noch runder werden mit dem Extraplatz, dem ganzen Licht, was sie jetzt bekamen? Aber die Ernte war ernüchternd: auf mehr Platz gab es deutlich weniger Knollen. Zwar immer noch einiges für uns zu essen, aber der Unterschied war schon bemerkenswert. Hatten sie sich im kleinen Stadtgarten wohler gefühlt als im großen Bauerngarten?

Der vierte Winter

Wieder ließ ich die schönsten, rundesten Knollen im Boden. Wieder wuchsen schöne, kräftige Pflanzen heran. Der Herbst kam, dann der Winter und ich kam lange nicht dazu nachzuschauen und zu ernten. Vor ein paar Tagen war es soweit. Mit Eimer und Schaufel und Appetit auf eine Topinamburcremesuppe machte ich mich auf in den Garten. Am ersten Pflänzchen fand ich zwei kleine Knollen. Naja. Wenig und klein. Ich hatte es schon befürchtet. Später würde ich mir Gedanken darüber machen, was ihnen fehlen könnte, dass sie nicht recht wachsen wollten.

So grub ich weiter. Und grub und grub und ging von Pflanze zu Pflanze und fand nichts mehr, nicht mal einen kleinen Rest. Erst eine ganze Weile später stieß ich auf eine angenagte Knolle, die noch an einer der Pflanzen hing. Und auf noch eine. Und dann auf drei kleine Knollen. Und immer wieder nur Reste.

Am Ende hatte ich fast das gesamte Topinambur-Beet umgegraben und herausgekommen waren 5 kleine Knollen.

Was war passiert?

Um es kurz zu machen: ich weiß es nicht. Aber ich habe ein paar Theorien.

Theorie I: Zu viel Wasser

Die letzten Monate waren extrem verregnet. Die Beete sind aufgeweicht. Wenn man durch den Garten läuft, muss man aufpassen, dass man an den steilen, vermatschten Wegen nicht ausrutscht. Kann es das gewesen sein? Es kann Pflanzen schwächen, wenn sie zu viel Wasser bekommen. Und - auch wenn es erst mal widersinnig klingt - schwache Pflanzen werden von manchen Tieren eher angenagt als gesunde, kräftige. Entweder das - oder sie sind schlicht im Boden verrottet.

Theorie II: Jemand hat die Knollen aufgefuttert

Es wäre nicht der erste Schwund. Kurz nachdem ich im Herbst neben die zwei alten Petersilienpflanzen zwei schöne neue in eines unserer Winterbeete gesetzt hatte, konnte ich meinen Augen kaum glauben: ẃo vorher die größte und schönste Petersilie von allen gestanden hatte, war nur noch ein tief gehendes Loch im Boden zu sehen.

Kurz darauf war auch die zweite Petersilie weg. Einige Zeit später fanden wir ausgegrabene Haferwurzeln und daran Fraßspuren. Und eine Weile vorher hatten jemandem unsere Möhren geschmeckt. Irgendjemand futtert.  Wir sind uns nicht mal ganz sicher, ob derjenige aus dem Boden oder von außerhalb kommt. Wühlmäuse? Der Dachs?

Theorie III: Der Standort war ungeeignet

Schon im ersten Jahr am neuen Standort (Winter #3) war - trotz viel mehr Platz - ein spürbarer Rückgang in der Erntemasse und auch in der Größe der einzelnen Knollen zu merken. Insbesondere letzteres habe ich mir bisher durch den Umzug vorher erklärt. Der hatte dazu geführt, dass ich die Knollen schon im August / September ausgraben musste, viel früher als es sonst zur Ernte der Fall gewesen wäre. Aber ein anderer Gedanke war auch der, dass womöglich der Standort nicht recht geeignet sein könnte.

Wie geht's weiter? / Vorteile von Topinambur

Im Moment bin ich was das angeht selbst noch überfragt. Ich will auf jeden Fall weiter Topinambur anpflanzen, denn er bringt einige Vorteile mit sich die einfach nur grandios sind:

1. Man muss fast nichts machen und kann - wenn eben die Bedingungen stimmen - einige ganze Menge ernten.

Das einzige was es wirklich zu tun gibt, sind das Ernten und das Schneiden der Pflanzen im Herbst. Bei ersterem lasse ich - wie schon beschrieben - immer die jeweils schönste Knolle in der Erde und habe so schon direkt beim Ernten für die nächste Saison wieder angepflanzt. Das Schneiden mache ich dann, wenn im Herbst die Pflanzen vertrocknen. Ich lasse immer einen Rest übrig (etwa 30, 40 cm), sodass ich daran im Winter selbst im Schnee noch erkenne, wo die Pflanzen sind, die ich beernten will.

2. Topinambur kann im Winter und Frühjahr geerntet werden, wenn der Garten sonst nicht so viel her gibt.

Das spricht eigentlich für sich. Insbesondere wenn man möglichst ganzjährig aus dem Garten essen will, ist das ein riesiger Vorteil

3. Man kann die Knollen roh und gekocht essen.

Für mich gibt es ein paar ganz spezielle Punkte, die eine Pflanze mitbringen muss, damit ich Lust drauf habe sie anzubauen. Dazu gehört zum Beispiel eine gewisse Robustheit, aber vor allem soll sie nachher lecker und vielfältig verwendbar sein. Nun ist Topinambur nicht jedermanns Sache. Für mich sind aber ein geraspelter Salat aus Topinambur und Möhre oder eine Topinamburcremesuppe einfach unschlagbar.

4. Dem Topinambur werden - aus zuverlässiger Quelle - positive Wirkungen auf den Darm nachgesagt

Meine zuverlässige Quelle heißt Giulia Enders und begeistert sich für den Darm. In ihrem Buch Darm mit Charme findet der Topinambur, neben dem Kartoffelsalat, Erwähnung als eines der wenigen Nahrungsmittel, die bis zum Dickdarm gelangen und die sonst etwas unterfütterten Darmbakterien dort ernähren. Deswegen bekommen viele Menschen auch erst mal Blähungen, wenn sie die ersten Male Topinambur essen.

Auch auf Wikipedia findet man dazu einen Eintrag :

Die Knollen sind bei Diabetikern beliebt, da sie zu 16 % aus Kohlenhydraten in Form des Mehrfachzuckers Inulin bestehen. [...] Inulin, der langkettige Zuckerstoff, kann nicht verdaut werden, weil die dazu nötigen Enzyme nicht vorhanden sind, und wirkt deshalb als Ballaststoff im Darm. Erst im Dickdarm kommt es zur Fermentierung, was aber auch zu Blähungen führen kann. Wird Inulin regelmäßig mit der Nahrung aufgenommen, senkt das die Blutfettwerte und fördert die Anwesenheit von Bifidobakterien.

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Es gibt genug Vorteile von Topinambur, um es nochmal zu versuchen. Und so wird es also auf jeden Fall irgendwie weiter gehen. Ob hier oder erst irgendwann an einem neuen Wohnort, ist im Moment noch nicht abzusehen.

Was sind eure Erfahrungen mit dem Anbau von Topinambur? Lasst es uns in den Kommentaren wissen. 


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*Wurde nie veröffentlicht.  

 

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