Unser Interview bei Kraftbaum

Über Naturverbindung durch wilde Selbstversorgung

Ende Februar wurden wir von Sandra vom Schweizer Podcast Kraftbaum interviewt. Im Podcast geht es um Naturverbindung und Gesundheit. Wir haben davon erzählt, wie für uns das Heranrücken an die Natur durch wilde Selbstversorgung möglich wird...

Unser Interview zum Anhören


Fragen und Antworten (kein Transkript des Interviews)

Vor unserem Interview haben wir von Sandra einige Fragen zur Vorbereitung und für die späteren Shownotes des Podcasts zugeschickt bekommen. Wir hatten sehr viel Freude und auch den ein oder anderen Aha-Moment beim Beantworten von Sandras Vorab-Fragen - deshalb hier ein paar unserer Antworten:

WIE IST DEINE GANZ PERSÖNLICHE BEZIEHUNG ZUR NATUR / DEM WALD?

Nadine: Für mich war der Wald schon immer ein Zufluchtsort. Selbst in meinen rebellischsten Jugendzeiten war ich häufig viele Stunden im Wald unterwegs und habe dort Ruhe gesucht und gefunden. Heute ist er das noch immer - doch mit dem wunderbaren Extra, dass meine Streifzüge von all den nutzbaren wilden Schätzen aus Pflanzen und Pilzen gekrönt werden.

Stefan: Ich möchte mich selbst als Teil der Natur sehen und arbeite immer daran, meine Handlungen und meine innere Haltung daran auszurichten, nicht von der Natur separiert zu sein. Im besten Fall ist die Natur damit meine große Familie, die ich Stück für Stück kennenlerne.

HAST DU EINEN LIEBLINGSPLATZ IN DER NATUR UND WIE SIEHT DIESER AUS?

Wir finden immer wieder kleine Lieblingsplätze und genießen es besonders, auch hin und wieder neue Gegenden zu erkunden. Urige, moosbedeckte Wälder, Felsen und Gewässer - da schlagen unsere Herzen höher. Ganz wichtig ist aber auch eine tiefe Ruhe, die den Ort umgibt.

WELCHES WAR DEIN EINDRÜCKLICHSTES WALD- / NATURERLEBNIS?

Nadine: Wenn ich beim Betreten des Waldes dessen unendliche Ruhe spüre und merke, wie ich selber auch ganz ruhig werde - das rührt mich immer wieder.

IN WELCHEN SITUATIONEN SUCHST DU GANZ BEWUSST DEN WALD AUF?

Nadine: Idealerweise bin ich regelmäßig mit meinem Sammelkorb im Wald unterwegs, auf der Suche nach ess- und nutzbaren Pflanzen und Pilzen. Manchmal - und das liegt oft daran, dass es eben vorher diese Regelmäßigkeit nicht gab - fällt mir aber auch die Decke auf den Kopf, dann tut ein Waldspaziergang besonders gut. 

Stefan: Wenn ich bei anderen Dingen stecken bleibe, ist der Wald mein bester Zufluchtsort. Dort kann ich loslassen und mich auf dessen ganze eigene Logik einlassen - wenn ich zurück komme, ist mein Kopf wieder klar und ich kann mich gelassen auf anderes konzentrieren.

WAS HAT DICH DAZU BEWEGT, DIE NATUR / DEN WALD IN DEIN BERUFLICHES TUN EINFLIESSEN ZU LASSEN?

Nadine: Zum Ende meines Studiums habe ich mich zunächst in meinem Studienberich (Erneuerbare Energien) selbständig gemacht - aber in meinem Inneren war schon seit geraumer Zeit ein völlig anderer Wunsch: der, nach einer Selbständigkeit, die sich direkt aus meinem Leben und meinen Interessen speist.

Zunächst war der Plan der eines kleinen Selbstversorger-Hofes mit Gästebetrieb und eigenen Produkten. Doch nachdem sich das mangels Ort so nicht verwirklichen ließ und ich mich gleichzeitig immer mehr mit wilder Selbstversorgung beschäftigte, fiel irgendwann ganz laut der Groschen und aus dem "Hof der Wilden Kultur" wurde schlicht "Wilde Kultur".

Hinzu kam, dass ich vor etwas über einem Jahr anfing, für meine eigenen Studien über Wildpflanzen und Pilze zu zeichnen und illustrieren, damit eine für mich ganz neue Fähigkeit entdeckte und dadurch urplötzlich der lang gehegte Traum greifbar wurde, nicht nur Informatives sondern auch Schönes herzustellen. Schließlich war es dann die Kombination aus meinen Ideen und Fähigkeiten und denen von Stefan, die die Sache rund machten. 

Stefan: Seit dem Ende meiner Schulzeit suche ich nach Wegen, meine vielfältigen Interessen unter einen Hut zu bringen: Handwerkliches, Digitales, Künstlerisches und Didaktisches. Ich wollte einfach nie so richtig akzeptieren, dass vielleicht ein oder zwei dieser Dinge einen Beruf bilden und der Rest in der "Freizeit" stattfindet. 

Überhaupt möchte ich mein Leben und meinen Alltag als Gesamtpaket betrachten und die Trennung von Berufichem und Freizeit aufweichen. Aber erst in der Kombination mit Nadine konnte sich soetwas wie Wilde Kultur entwickeln, in dem ich alle meine Register ziehen kann.

WELCHE PERSONEN MÖCHTEST DU MIT DEINEM ANGEBOT ANSPRECHEN?

Wer Neugierde und Offenheit mitbringt sowie einen gewissen Respekt vor dem Natürlichen ist bei uns gut aufgehoben. 

Vor allem aber wollen wir Menschen ansprechen, unterstützen und inspirieren, die sich am Anfang eines Weges befinden, ähnlich dem, den wir selbst bereits ein ganzes Stück weit gegangen sind und noch immer gehen.

WAS MÖCHTEST DU DEN PERSONEN, DIE DICH AUF DEINEN NATUR- UND WALDGÄNGEN BEGLEITEN MITGEBEN, BZW. WORIN MÖCHTEST DU SIE UNTERSTÜTZEN?

Nadine: Was mich noch heute verblüfft, ist, wie sich mein eigenes Bild auf meine Umgebung durch das, was ich in den letzten Jahren lernen durfte, verändert hat. Ich bin mit nicht mehr Wissen gestartet als dem, wie Löwenzahn und Gänseblümchen aussehen. Das, was damals für mich lange einfach nur "Wiese" oder "Wald" war, ist heute ein buntes Buffet der Möglichkeiten. Für mich ist es die schönste Erfahrung, anderen Menschen eine ähnliche Erweiterung der Wahrnehmung zu ermöglichen.

Stefan: Wir versuchen, einen anderen Blick zu vermitteln als ihn das Zeigen und Benennen von Pflanzen oder das Stöbern in Bestimmungsbüchern allein liefern können. Für uns ist die nachhaltige wilde Selbstversorgung - also das Nutzen von Wildem für Essen oder Handwerkliches - ganz zentral. Als begeisterte und vielfältig erfahrene Lehrer / Dozenten haben wir es uns aber auch zur Aufgabe gemacht, didaktische Lücken zu schließen, die wir in vielen Büchern und anderen Quellen zum Thema sehen. Wo erfährt man etwa, wie sich das Aussehen eines Gierschs im Lauf seines Wachstums verändert und dass auch bei den meisten anderen Wildpflanzen je nach Alter ganz unterschiedliche Merkmale zu beachten sind?

HAST DU EINEN TIPP, WIE WIR UNSERE GESUNDHEIT MIT EINEM NATUR- / WALDBESUCH BESONDERS STÄRKEN KÖNNEN?

Das, was uns die Natur bietet, alltäglich zu nutzen - sei es als Pesto, im Salat, sauer in Öl eingelegt, knusprig gebraten als Chips oder Bratling, als wilde Schorle oder als süße Leckerei... So super lecker und praktisch unsere Kulturpflanzen und -tiere auch sind, ihre wilden Verwandten haben ihre ganz eigenen Vorzüge, ganz vorne mit dabei: deutlich höhere Nährstoffdichten.

Und wenn man im Wald und auf Wiesen tatsächlich Essen sammelt, bekommt man einen ganz anderen Blick auf diese Dinge: aus Gestrüpp, Geäst und Grünzeug wird ein Buffet. Einer Nahrungsquelle bringen wir deutlich mehr Respekt entgegen als einem Stück Rasen. Auch in diesem direkten Bezug sehen wir einen gesundheitsfördernden Faktor - mit etwas selbst gesammeltem gehen wir anders um, bereiten es anders, wertschätzender, schonender zu, aber vor allem inspiriert es uns zum natürlichen Kochen aus frischen, einfachen Zutaten - und das für sich tut uns schon unglaublich gut!

WAS LIEGT DIR NOCH AM HERZEN, DAS DU UNS MIT AUF DEN WEG GEBEN MÖCHTEST?

Trotz aller Begeisterung, wer sich aus der Natur bedienen möchte, sollte immer auch ein paar Dinge beachten: 

1) Keine Experimente mit nicht 100%ig Bekanntem. Zwar sind die meisten Pflanzen und Pilze harmlos, aber es gibt eben auch die, bei denen kleinste Mengen zwischen Leben und Tod oder zumindest heftigsten Symptomen entscheiden.

2) Respekt sollte immer die Grundlage sein. Respekt vor dem Ökosystem als Ganzes, der uns zu nachhaltigem Handeln bringt und davon abhält, mehr zu nehmen als wir nutzen können und mehr als das, mit dem die Natur noch gut zurecht kommt. Respekt auch vor dem Leben, das wir nehmen - egal ob Pflanze, Pilz oder Tier -, sodass wir nicht unnötig Leben zerstören und dass wir das, was wir nehmen, auch wirklich aufbrauchen.

3) Nur weil uns etwas nicht nützt, ist es nicht weniger Wert. Wir sollten niemals denken, die Natur solle uns Menschen dienen und wir hätten demnach das Recht alles zu verbannen, was uns nicht nutzlich ist.

DEINE BUCHEMPFEHLUNG

Es gibt so viele tolle Bücher zu diesen Themen! Nadine als großer Bücherfreak könnte noch viel mehr empfehlen, es gibt z.B. auch ganz tolle Bücher, in denen Menschen

von ihren Naturerfahrungen und Selbstversorgerversuchen erzählen - wir beschränken uns aber einmal auf unsere gemeinsame Liste an eher praktischen Büchern:

1) Zum Überblick über essbare Wildpflanzen: "Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen" bzw. die abgespeckte Variante "Essbare Wildpflanzen" von Steffen Guido Fleischhauer, Jürgen Guthmann, Roland Spiegelberger.

2) Zum Bestimmen von wilden Pflanzen allgemein: "Was blüht denn da?" vom Kosmos-Verlag.

3) Zum Überblick über wilde Pilze: "Grundkurs Pilzbestimmung" von Rita Lüders.

4) Zur Inspiration für die wilde Selbstversorgung: "Alles aus Wildpflanzen" von Coco Burckhardt.

5) Zum Kennenlernen des Waldes: "Der Kosmos Waldführer".

6) Ein ganz tolles und vor allem informationsvolles Buch über Pilze: "Das geheimnisvolle Leben der Pilze" von Robert Hofrichter.

HAST DU EIN EIGENES BUCH ODER EIN WEITERES ONLINE-ANGEBOT?

Seit letztem Jahr haben wir unseren eigenen Online-Shop (wildekultur.net/shop), den wir nach und nach mit selbst erdachten und selbst gemachten Dingen füllen. 

Aktuell gibt es dort unsere wunderbare "Wilder Tee" Tasse zu finden, eine Email(le)-Tasse, illustriert mit besonders aromatischen und heilkräftigen Wildpflanzen für Tee. Im Moment arbeiten wir außerdem an unseren zwei nächsten Produkten, die beide mit der wilden Selbstversorgung zu den unterschiedlichen Zeiten im Jahr zu tun haben.

KANNST DU EINE RESSOURCENQUELLE EMPFEHLEN?

Im Laufe der Zeit haben wir für uns ein digitales Zuhause auf Instagram gefunden und dort nicht nur interessante Menschen getroffen sondern auch viel gelernt.

Über Hashtags wie etwa #selbstversorgung, #nachhaltigkeit, #wildfood und ähnliches findet man ganz einfach die für einen selbst passenden Posts und zugehörigen Menschen.

Und das ist nur die Spitze des Eisbergs, denn hinter den meisten Profilen stecken dann auch noch spannende Webseiten...

Danke

Vielen lieben Dank an Sandra vom Podcast Kraftbaum für ihre nette Einladung, gute Fragen und das tolle Gespräch - davor, währenddessen und auch danach. :-) Wir freuen uns auf ein nächstes Mal. 

17.10.2019
Nadine